„Eine tolle Idee, einem Menschen ein Denkmal zu setzen. Oder ein "musée sentimental" zu errichten aus Blättern. … Ich bin begeistert vom Aufbau, deine Einleitung, dann ihn selber zu Wort kommen zu lassen, anschließend eine thematische und chronologische Annäherung zugleich. Mein höchstes Kompliment. Und dann unfassbar aufwändig und schön gestaltet.“
Markus Orths, Schriftsteller, Karlsruhe
Mit diesem Buch ist Ihnen … ein wundervoll lebendiges, überraschungsreiches Werk geglückt, farbensprühend (in mehrfachem Sinne) wie es das Porträtbild auf dem Cover verheißt, erfüllt von unterschiedlichen Facetten, je nach Perspektive und Begegnungsanlass der Autoren. Keine steife Festschrift mit ihren klischeehaften Hommage-Floskeln, eher eine freundschaftlich - kollegiale Feier eines besonderen Menschen, ein Spiegel auch von Haralds Denkfreiheit und produktiver Vernetzungsarbeit, deren geistige und sinnliche Anstöße auf diverse Weise weiterwirken mögen!“
Gabriele Bach, Kunsthistorikerin
„ Die Zeitgenossen und Weggefährten reden zu lassen, war eine gute Idee. Das gibt ein bunteres, lebendigeres, facettenreicheres und zeitgeschichtlich aufschlussreicheres Bild als eine biografische Monografie. Ich kenne nichts Vergleichbares. Es ist gestalterisch und inhaltlich bzw. museumsgeschichtlich und als hommage ein Wurf, auch und gerade durch die Zusammenstellung und den Einbezug des grossartigen, in alle Winde verstreuten Bildmaterials.“
Felix Graf, ehem. Kurator Schweizerisches Landesmuseum Zürich
„Das Buch finde ich wirklich wunderbar. Ausser der Würdigung von Haralds Lebenswerk, ist es ein spannendes Stück Museumsgeschichte mit vielen Facetten.“
Gisela Lixfeld, ehem. Vizepräsidentin Museumsverband Baden-Württemberg
"am Wochenende kam Ihr Buch wohlbehalten an und ich habe es kaum aus der Hand legen können, vor Begeisterung und Neugierde. Vor allem der schnelle Wechsel der Perspektiven und der Personen ist wunderbar."
Prof. Dr. Rainer Warland, Freiburg
BNN Karlsruhe, Kultur , Donnerstag, 21. November 2024 / Ausgabe Nr. 270 /19
März 2025
Joachim Müller-Bremberger
Im Jahr 2024 hat Elisabeth Schraut einen außergewöhnlichen Band herausgegeben: Mit »Harald Siebenmorgen, MuseumsMensch« fand sie einen besonderen Weg, ihrem 2020 mit 70 Jahren verstorbenen Ehemann einen über 300 Druckseiten umfassenden Nachruf zu widmen, der aber kein Nachruf im klassischen Sinn ist. Bestehend aus 100 Texten, schildern 100 private und berufliche Weggefährten, ehemalige Mitarbeiter, Kulturschaffende etc., ihre Wahrnehmungen von und zu Harald Siebenmorgen auf ihre je eigene Weise. Die Herausgeberin beschreibt das Werk als das Zusammentragen exemplarischer Geschichten bzw. persönlicher Erinnerungen zu konkreten Begebenheiten, die im Gedächtnis geblieben sind, über einen Gegenstand, der besondere Bedeutung hatte, oder ein Erlebnis, ein Gespräch, eine Beobachtung. Nicht so formell sollte das Ergebnis sein, und auch den Autoren Freude bereiten, kurz: ein offenes Konzept.
Ist das gelungen? Der Rezensent, der in den 1990er Jahren als Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Karlsruhe in der deutsch-französischen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit wenige und nur kurze Begegnungen mit Harald Siebenmorgen hatte, ist da-von überzeugt: Ja, es ist gelungen. Elisabeth Schraut selbst sieht das Ergebnis so: Wie die »Persönlichen Erinnerungen« interpretiert wurden, sei weitaus unterschiedlicher als sie erwartet habe - Beiträge, die von privaten Erinnerungen, Anekdoten, Reflexionen über Museumsarbeit und die Verdienste Siebenmorgens im Museumsbereich generell bis zur Geschichte seines Engagements für bestimmte Projekte reichen. Gattungsbedingt sei viel Lob zusammengekommen, und die Texte lassen sich, so Schraut, zu einem Bild eines Menschen zusammensetzen, das die Leserschaft jeweils anders akzentuiert und möglicher- ' weise mit eigenen Erinnerungen abgleicht - Erinnerungen aus der Zeit, in der Harald Siebenmorgen 22 Jahre das Badische Landesmuseum in Karlsruhe nicht nur geleitet, sondern geradezu verkörpert habe, wie sich Theresia Bauer, von 2011 bis 2022 Ministerin für Wissenschaft;--forschung und Kunst Baden-Württemberg und somit für einige Jahre Harald Siebenmorgens politische Chefin in der Landesregierung, erinnert. Sie habe Siebenmorgen kennen-gelernt als großen Kunsthistoriker, innovativen Museumsmanager und leidenschaftlichen Ausstellungsmacher mit hervorragender Fachkompetenz, breiter Allgemeinbildung, gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein und museumspolitischem Weitblick; sein aufgeschlossenes und begeisterndes Wesen, so Bauer, habe sie immer beeindruckt. Dass das Badische Landesmuseum unter seiner Leitung zu einer Institution wurde, die sich für die Vermittlung inter- und transkultureller Kompetenzen ein-setzt, sei auch ihr als zuständige Ministerin besonders wichtig gewesen, und sei bis heute ein zentraler Bestandteil baden-württembergischer Kulturpolitik. Ähnlich der Tenor im Grußwort der amtierenden Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Petra Olschowski Vom enormen Wissen, der hohen Kompetenz, der Aufgeschlossenheit für Neuerungen und dem diplomatischen Geschick habe das Badische Landesmuseum mehr als zwei Jahrzehnte lang sehr profitiert, zumal er die Besucherzahl auf das Drei- bis Vierfache gesteigert habe. Schade, dass Olschowski bei ihren Anmerkungen zur Umwandlung des Museums in einen Landesbetrieb nicht die Gelegenheit genutzt hat, darauf hinzuweisen, welche anderen badischen Museen mit der Karlsruher »Zentrale« verbandelt sind - schon zur aktiven Zeit von Harald Siebenmorgen gab es einen badischen »Museumskonvoi« mit dem Flaggschiff in Karlsruhe.
Wenn politisch Verantwortliche ein Füllhorn von Lob über einen klugen, fleißigen, kreativen, erfolg-reichen führenden Mitarbeiter im baden-württembergischen Kulturbetrieb ausgießen ist anzunehmen, dass die Leserschaft dem nicht uneingeschränkt kritiklos folgt, sondern spekuliert: Die in Stuttgart haben den Mann in Amt und Würden gebracht, da müssen sie ihn ja über den grünen Klee loben, alles andere würde auf sie zurückfallen, könnte unterstellt werden. Viel Lob sei zusammengekommen, schreibt ja auch die Herausgeberin, aber das beschränkt sich nicht auf die Statements von Landespolitikerinnen. Man findet es, direkt oder indirekt ausgesprochen, in allen Beiträgen, und es ist zu spüren, dass dieses Lob keine reine Gefälligkeit gegenüber der Herausgebe-rin und Witwe Elisabeth Schraut darstellt. Verhältnismäßig »lobfrei«, aber mit viel Anerkennung und Sympathie, schreibt Gerhard Kabierske, ehemaliger Stadtkonservator von Karlsruhe und wissenschafticher Mitarbeiter am Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau an der Universität Karlsruhe/KIT über seine erste Begegnung mit dem Doktoranden Harald Siebenmorgen in Freiburg, als sie bei einer eher zufälligen Begegnung im Rahmen der Fachschaft Kunstgeschichte die ersten Interessensüberschneidungen entdeckten. Kabierske erinnert auch daran, dass Harald Siebenmorgen seine eigenen Berufsaussichten damals, also 1975, als sehr ungewiss einschätzte, weil er sich zu Beginn seines Studiums zu sehr als »frecher 68er« betätigt und mit dazu beigetragen habe, einen früheren Lehrstuhlinhaber aus Freiburg zu vergraulen. Er schildert Siebenmorgen aber auch als geselligen Kommilitonen, der gerne Feste feierte, und als hilfsbereiten Vermittler eines neuen Zimmers. Die politische Aufmüpigkeit gegenüber Autoritäten in seiner Sturm- und Drang-Periode habe Siebenmorgens Karriere keinen Abbruch getan, stellt Kabierske fest.
Eine von Grund auf überzeugende Würdigung Siebenmorgens ist dem Historiker Jan Merk gelungen. Merk, seit 2023 Leiter des Dreiländermuseums Lörrach, zuvor des Stadtmuseums Mosbach und des Markgräfler Museums Müllheim, außerdem seit 2014 Präsident des Museumsverbandes Baden-Württemberg, verbindet eine Beschreibung der wichtigsten beruflichen Stationen Siebenmorgens mit persönlichen Betrachtungen und Überzeugungen in Bezug auf dessen fachliche und organisatosche Qualitäten - leidenschaftlich, offen und richtungsweisend kennzeichnet Merk ihn, den durchaus auch »geschickten und gewieften kulturpolitischen Taktierer und Strategen«, was sich nicht zuletzt bei der Sicherung wichtiger Objekte aus dem Besitz des markgräflichen Hauses Baden bei der Versteigerung im Auktionshaus Sotheby's gezeigt habe, aber auch als einen, der weder sich noch sein Team schonte und keinen Kraftakt scheute, wenn es um wichtige landesgeschichtliche Themen und große Kooperationsausstellungen und um die Entwicklung des Badischen Landesmuseums zum bestbesuchten Museum im Land ging.
Markus Moehring, von 1991 bis 2023 Vorgänger von Merk als Leiter des Dreiländermuseums Lörrach, anfangs noch »Museum am Burghof« genannt, schildert die Verbundenheit und Kooperation der beiden Museen in Karlsruhe und Lörrach insbesondere bei der Entwicklung der grenzüberschreitenden ober-rheinischen Zusammenarbeit und der Implementierung des oberrheinischen Museumspasses und später des Netzwerkes Museen am Oberrhein mit einer Geschäftsstelle im Dreiländermuseum. Harald Sieben-morgen habe als herausragende Persönlichkeit der deutschen Museumsszene die Museumslandschaft am Oberrhein nachhaltig geprägt, so Moehring.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Herausgeberin Elisabeth Schraut und 100 Autorinnen und Autoren ein vielschichtiges und facettenreiches Portrait des »MuseumsMenschen« Harald Sieben-morgen gelungen ist. Die Einbandgestaltung mit dem Titelbild von Markus Jäger nach einem Foto von Beatrix von Hartmann deutet dies bereits an. Gleich-zeitig erlaubt sie einen Blick hinter die Kulissen des baden-württembergischen Kulturbetriebes über gut drei Jahrzehnte, in denen die Museen sich wesentlich kundenorientierter« ausgerichtet haben. Woran in Baden-Württemberg auch MuseumsMensch Harald Siebenmorgen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Anteil hatten.
Joachim Müller-Bremberger
PS: Das Insolvenzverfahren des Verlagshauses J.S. Klotz wurde vom Amtsgericht Pforzheim am l. Juni 2025 eröffnet, die Firma ist damit aufgelöst.